Prosozial
Verein für Therapie, Psychosoziale Beratung und Begleitung e.V.

Gesundheit-News: Interview mit Alexander Schadow

Warum sind psychotherapeutische Behandlungen so wichtig

Alexander Schadow Alexander Schadow

veröffentlicht am 22. Februar 2025 Magdeburger-News

Ein Interview mit dem Heilpraktiker für Psychotherapie Alexander Schadow, Vorsitzender der Allgemeinen Gesellschaft Anthroposophischer Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker (AGAHP)


Psychische Gesundheit ist ein essenzieller Bestandteil unseres Wohlbefindens und unserer Lebensqualität. Dennoch wird sie in unserer Gesellschaft oft unterschätzt oder gar tabuisiert. Während körperliche Beschwerden schnell behandelt werden, bleiben seelische Leiden häufig unbeachtet oder werden als persönliche Schwäche abgetan. Doch psychische Belastungen können ebenso schwerwiegende Folgen haben wie körperliche Erkrankungen – sie beeinflussen unser Denken, Fühlen und Handeln und können unser gesamtes Leben nachhaltig prägen.
Psychotherapeutische Behandlungen spielen eine zentrale Rolle in der Bewältigung und Heilung seelischer Leiden. Sie bieten Menschen Unterstützung, die mit Depressionen, Ängsten, Traumata, Burnout oder anderen psychischen Belastungen kämpfen. Ein besonders wirksamer Ansatz innerhalb der Psychotherapie ist die Hypnosetherapie, die tief verwurzelte Muster aufdecken und Veränderungen auf einer unbewussten Ebene ermöglichen kann.


In diesem Interview erläutert der Heilpraktiker für Psychotherapie Alexander Schadow, der Vorsitzende des Berufsverbandes Anthroposophischer Heilpraktiker (AGAHP), die Bedeutung der Psychotherapie und ihre positiven Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen.


Das Interview mit Alexander Schadow führte Michelle Prost.


Herr Schadow, warum ist es so wichtig, seelische Leiden zu verstehen und zu bewältigen?

  • Alexander Schadow: Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens psychische Belastungen, sei es durch persönliche Krisen, beruflichen Stress oder traumatische Erlebnisse. Psychotherapie bietet einen geschützten Raum, in dem Betroffene ihre Gefühle, Gedanken und Ängste offen reflektieren können. Der therapeutische Prozess hilft dabei, die Ursachen für die eigenen Probleme zu erkennen und individuelle Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Beispielsweise kann hierbei die Hypnosetherapie eine wertvolle Unterstützung sein, da sie direkt mit dem Unterbewusstsein arbeitet und emotionale Blockaden löst.

Wie kann Psychotherapie präventiv wirken und frühzeitig helfen?

  • Alexander Schadow: Psychotherapie ist nicht nur wichtig, wenn bereits eine psychische Erkrankung vorliegt, sondern auch als präventive Maßnahme. Frühzeitige therapeutische Unterstützung kann verhindern, dass sich seelische Belastungen zu ernsthaften Erkrankungen entwickeln. Die vorliegende Evidenz zeigt, dass sich z. B. eine Gesprächspsychotherapie insbesondere zur Prävention eignet. Sie erkennt innere Stressquellen und stärkt mentale Resilienz. Die auf dem Konzept von Carl Rogers basierende Gesprächspsychotherapie gilt als wissenschaftlich fundiert.

Inwiefern kann eine Psychotherapie die Lebensqualität und zwischenmenschlichen Beziehungen verbessern?

  • Alexander Schadow: Psychische Belastungen wirken sich oft negativ auf soziale Beziehungen aus. Menschen mit Depressionen oder Angststörungen ziehen sich häufig zurück und haben Schwierigkeiten, enge Beziehungen aufrechtzuerhalten. Durch Psychotherapie lernen Betroffene, ihre Emotionen besser zu regulieren, gesunde Kommunikation zu fördern und Konflikte konstruktiv zu lösen. Psychotherapie kann helfen, destruktive Denkmuster oder Beziehungsängste gezielt zu bearbeiten und nachhaltige Veränderungen herbeizuführen. Die anthroposophische Psychotherapie folgt beispielsweise einem nachvollziehbaren Wirkprinzip. Der Therapeut schafft einen Raum, in dem Freiheit, Selbstgestaltungsfähigkeit sowie leibliche, seelische und geistige Wirksamkeiten ermöglicht werden. In der anthroposophischen Psychotherapie ist die therapeutische Haltung entscheidend für Vertrauen und das Gefühl der Akzeptanz beim Patienten.

Welche Rolle spielt die Selbstreflexion in der Psychotherapie?

  • Alexander Schadow: Selbstreflexion ist ein zentraler Aspekt der Psychotherapie. Die anthroposophische Menschenkunde stellt ein Konzept dar, welches die allgemeinen körperlichen, seelischen und geistigen Gesetzmäßigkeiten jeder Lebensstufe in Jahrsiebten erfasst.  Die spezifische Diagnostik der anthroposophischen Psychotherapie orientiert sich an diesen Gesetzmäßigkeiten. Dadurch kann sie die individuellen Besonderheiten des einzelnen Menschen im bisherigen Lebensweg, in der Gegenwart und in einer zukünftigen Weiterentwicklung erfassen. Durch den Einsatz gezielter therapeutischer Methoden erlernen Menschen in dieser Therapie, sich selbst besser zu verstehen, negative Denkmuster zu erkennen und alte Verhaltensweisen zu hinterfragen. Die anthroposophische Psychotherapie ist ein multimodales therapeutisches Konzept, das diesen Prozess intensiviert. Es transformiert unbewusste Glaubenssätze und ändert tief verankerte Verhaltensmuster nachhaltig.

Wie kann Psychotherapie Menschen mit körperlichen Erkrankungen unterstützen?

  • Alexander Schadow: Es besteht ein ineinandergreifendes Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist. Chronische Schmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Magen-Darm-Probleme können durch psychische Belastungen verstärkt werden. Ebenso können körperliche Erkrankungen psychische Leiden hervorrufen. Die Psychotherapie bietet wirksame Methoden, um das Zusammenspiel zwischen Körper, Psyche und Geist zu beeinflussen. Sie werden erfolgreich zur Schmerzbewältigung, Stressreduktion und Behandlung psychosomatischer und somatoformer Beschwerden eingesetzt.

Warum sind individuelle und maßgeschneiderte Therapieansätze so wichtig?

  • Alexander Schadow: Jeder Mensch ist einzigartig und verfügt über eine individuelle Biografie sowie spezifische psychische Herausforderungen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass psychotherapeutische Behandlungen individuell auf die Bedürfnisse und Persönlichkeit des Einzelnen abgestimmt sind. Die Hypnosetherapie erweist sich hierbei als eine äußerst wirksame, flexible und individuell anpassbare Methode, die sich sowohl zur Behandlung von Ängsten und Blockaden als auch zur Stärkung des Selbstbewusstseins eignet.

Wie kann die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen abgebaut werden?

  • Alexander Schadow: Obwohl psychische Erkrankungen in der Gesellschaft zunehmend akzeptiert werden, ist die Stigmatisierung dieser Erkrankungen nach wie vor ein relevantes Problem. Viele Menschen zögern aufgrund von Vorurteilen oder Ablehnung, sich Hilfe zu suchen. Ein offener Umgang mit Psychotherapie kann dazu beitragen, diese Hemmschwellen abzubauen. Insbesondere die Hypnosetherapie, die oft noch mit Vorurteilen behaftet ist, kann dazu beitragen, neue Heilmethoden stärker anzuerkennen. Sie ist in Deutschland vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie im Jahr 2006 als wissenschaftliche Psychotherapiemethode anerkannt und sollte nicht mit Show-Hypnose verwechselt werden.

Fazit
Psychotherapeutische Behandlungen sind weit mehr als eine Maßnahme zur Heilung psychischer Erkrankungen – sie sind eine wertvolle Unterstützung auf dem Weg zu einem erfüllten und gesunden Leben. Sie helfen Menschen, sich selbst besser zu verstehen, ihre Beziehungen zu verbessern, innere Konflikte zu lösen und emotionale Stabilität zu gewinnen.
Die Hypnosetherapie bietet eine kraftvolle Ergänzung zur klassischen Psychotherapie, da sie gezielt auf das Unterbewusstsein einwirkt und nachhaltige Veränderungen fördert. Sie kann Ängste lösen, Selbstbewusstsein stärken und sogar körperliche Beschwerden lindern.

  • Alexander Schadow: Als Heilpraktiker für Psychotherapie ist es mein Ziel, Menschen auf diesem Weg professionell und einfühlsam zu begleiten. Jeder Mensch verdient es, psychische Unterstützung zu erhalten, wenn er sie braucht. Denn seelische Gesundheit ist nicht nur eine individuelle Angelegenheit – sie ist die Basis für ein harmonisches Miteinander und eine gesunde Gesellschaft.

Herr Schadow, herzlichen Dank für das aufschlussreiche und informative Gespräch!